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Kripperlschauen
Theodor Glaser
aus "Ein Gruß der Kirchen an die Gäste in bayerischen
Kurorten... zum Heiligen Abend" 1991
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Weihnachtskrippen gibt
es überall in der Welt. In vielen Ländern
und in den unterschiedlichsten Kulturen haben sich Künstler
ans Werk gemacht und die Geschichte von Bethlehem mit den verschiedensten
Werkstoffen umgesetzt. Die Freude daran mag ihre Ursache haben in
der Lust am Basteln, Werken und Gestalten. Der Grund reicht jedoch
tiefer. Die Botschaft von Weihnachten gilt nicht nur unseren Ohren,
sondern auch unseren Augen. "Das Wort ward Fleisch" heißt
es bei dem Evangelisten Johannes. Gott wird Mensch, damit wir menschlich
leben können. Gott gewinnt Hand und Fuß in dem Kind in
der Krippe. Ein Gott zum Anfassen, zum Anschauen. Fromme Phantasie
hat die Weihnachtskrippen liebevoll ausgeschmückt zu einem kleinen
Welttheater. Noch heute ist es in manchen Gegenden Bayerns, Österreichs
und Südtirols üblich, an den Feiertagen zum ,,Kripperlschauen"
von Haus zu Haus, von Kirche zu Kirche zu gehen, um sich an Neuerwerbungen
und Neugestaltungen zu erfreuen.
Die Geschichte der Krippe reicht weit zurück. Wenn wir im
Geiste "Kripperlschauen" gehen, so können wir feststellen,
dass es mit den Altarbildern begonnen hat, auf denen ein gemaltes
oder geschnitztes Bild des Weihnachtskindes zu sehen ist. Aus dem
4.Jahrhundert stammen frühchristliche Sarkophage, die anfangs
nur das Kind in der Krippe mit Ochs und Esel, einem Hirten und einem
Engel, später auch mit Joseph und Maria zeigen. Am Weihnachtsfest
von 1223 stellte Franziskus von Assisi in einem Wald eine Futterkrippe
mit lebenden Tieren auf und begann dort zu predigen. Manche halten
diese Szene für den Ursprung der Weihnachtskrippe. 1291 wird
in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore die erste Krippe
aufgestellt. Wo immer solche Krippen aufgestellt wurden, entflammte
wahre Begeisterung. Tausende strömten hinzu in großen
Volksaufläufen.
Im Jahre 1562 wurde in der Jesuitenkirche in Prag die erste Krippe
nördlich der Alpen aufgestellt. 1563 wird von der Krippe in
der Jesuitenkirche in München berichtet, daß die Krippenfiguren
sogar die Protestanten angelockt hätten, um mit den Katholiken
gemeinsam das liebliche Werk zu bewundern und ihm die gleiche Referenz
zu erweisen. Die größte Blüte erreichte die Krippenkunst
im 17. und 18. Jahrhundert in Neapel, Südtirol und Bayern.
Freilich wurden in jener Zeit auch die ersten Krippenverbote erlassen.
Furcht vor Respektlosigkeit der vor der Krippe von überschäumender
Freude ergriffenen Betrachter, aber auch das kühle Licht aufgeklärter
Vernunft verbannten die Krippen aus den Kirchen. Dafür wanderten
sie als Hauskrippen in die Familien. Am 24. Dezember 1812 richtete
das Landgericht Ebersberg bei München eine vergebliche Eingabe
an die bayerische Regierung gegen das Krippenverbot mit dem Argument,
die Kinder seien für optische Eindrücke empfänglich,
das Gedächtnis der Erwachsenen und ihr Wunsch zur Nachfolge
Christi würden angestachelt und der ästhetische Sinn des
Landmannes werde angeregt. Im 20. Jahrhundert war es den Nationalsozialisten
vorbehalten, den vergeblichen Versuch zu unternehmen, der Krippenbewegung
den Garaus zu machen. Wie weiland Herodes, so sind auch heute die
noch nicht gestorben, die dem Kind nach dem Leben trachten. Aber
das Kind lebt und überlebt. Sein Siegeszug, und der Siegeszug
der Krippen ist nicht aufzuhalten. Es war kein schlechtes Motto,
das die bayerischen Krippenfreunde nach dem Zweiten Weltkrieg ausgaben:
"In jedes Haus eine Weihnachtskrippe". Die Krippe muß
weder groß noch teuer noch künstlerisch besonders wertvoll
sein, wenn sie uns nur einlädt, das Wunder der heiligen Nacht
mit Freuden anzusehen.
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